Husten Reizhusten: Klassische Arzneimittel
"Silomat" gegen Reizhusten
Hersteller: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH und Co. KG
Wirkstoff: Pentoxyverin-Citrat (flüssige Darreichungsformen) bzw. Dextromethorphan-Hydrobromid (feste Darreichungsformen)
Darreichungsform: Saft, Tropfen, Kapseln, Lutschpastillen
Rezeptfrei? Ja
Indikation: Reizhusten
Einleitung
Alle Darreichungsformen von Silomat sind apothekenpflichtige Medikamente, die im Rahmen der Selbstmedikation von vielen Anwendern zur symptomatischen Behandlung von unproduktivem Reizhusten ohne Schleimbildung eingesetzt werden.
Achtung: Der Wirkstoff in Silomat Saft und Tropfen ist Pentoxyverin, während Lutschpastillen und Kapseln Dextromethorphan als wirksame Komponente enthalten. Sie unterscheiden sich in vielen Punkten (Dosierung, Gegenanzeigen, unerwünschte andere Wirkungen und andere) wesentlich von einander und müssen differenziert betrachtet werden. [1]
Dieser Text liefert einen Überblick über die medizinischen Fakten, die Wirkungsweise von Pentoxyverin und Dextromethorphan, die Anwendung und Dosierung der entsprechenden Arzneiformen von Silomat, Wechselwirkungen und unerwünschte andere Wirkungen (früher: Nebenwirkungen) sowie Gegenanzeigen und Warnhinweise.
Medizinische Fakten
Silomat-Produkte sind gängige Medikamente zur Anwendung bei trockenem Reizhusten. Sie sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
Die flüssigen Arzneiformen von Silomat enthalten Propylenglykol. Im Körper wird dieser Hilfsstoff bei Erwachsenen rasch über bestimmte Enzyme (Dehydrogenasen) abgebaut. Diese Enzyme sind jedoch bei Kleinkindern noch nicht vollständig entwickelt, sodass der Abbau deutlich länger dauert. Bei Anwendung hoher Dosen über einen längeren Zeitraum kann sich Propylenglycol speziell bei Kindern unter 4 Jahren im Blut ansammeln (kumulieren), was möglicherweise zu Krampfanfällen führen kann. Aus diesem Grund sind sie während der Dauer der Anwendung besonders zu beobachten. Silomat Saft und Tropfen sind für Kinder unter 2 Jahrennicht geeignet (kontraindiziert). [2]
[4] Das ungünstige Nebenwirkungsprofil von Dextromethorphan erfordert einen zurückhaltenden Einsatz des Hustenstillers. Bei unsachgemäßem Gebrauch könnenSymptome wie verlangsamte Atmung (Atemdepression), Bewusstseinsstörungen (Halluzinationen), Blutdruckabfall (Hypotonie) und beschleunigter Herzschlag (Tachykardie) auftreten. Außerdem besitzt Dextromethorphan aufgrund seiner euphorisierenden Komponente ein nicht unerhebliches Suchtpotential.
Wirkungsweise
Wirkungsweise
Hustenstillende Mittel (Antitussiva) unterdrücken den Hustenreflex und setzen so die Häufigkeit und Intensität von Hustenanfällen herab. Die Wirkung kann dabei am Hustenzentrum im Gehirn (Medulla oblongata) und/oder durch Blockade sensibler Nervenenden (Hustenrezeptoren) im Atemtrakt erfolgen. [3]
Bei Pentoxyverin wird von zentralen Effekten ausgegangen, der exakte Wirkmechanismus ist bislang jedoch nicht abschließend geklärt.
Dextromethorphan wechselwirkt mit bestimmten Rezeptoren (σ1- und NMDA-Rezeptoren) im Zentralnervensystem. In hohen Dosen kann Dextromethorphan so rauschähnliche Zustände auslösen und birgt daher ein nicht zu vernachlässigendesAbhängigkeitspotential. [4]
Im Gegensatz zu Dextromethorphan und vielen anderen (halb-)synthetischen Antitussiva besitzt Pentoxyverin eine bronchienerweiternde (bronchodilatatorische) und krampflösende (spasmolytische) Wirkung, jedoch keine atemdepressiven Eigenschaften (Abflachen der Atmung). Daher kann Pentoxyverin auch bei chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma bronchiale und COPD eingesetzt werden. Ärztliche Rücksprache ist bei diesen Patientengruppen jedoch immer notwendig. [5]
Anwendung und Dosierung
Sollte das Arzneimittel aufgrund einer ärztlichen Empfehlung angewendet werden, sind die Anweisungen des Arztes zur Dosierung unbedingt einzuhalten.
Falls nicht anders verordnet, gelten folgende Regeldosierungen:
Pentoxyverin:
Kinder von 2 bis 5 Jahren: Die maximale Tagesdosis beträgt 0,5 bis 1 mg Pentoxyverin pro kg Körpergewicht.
Kinder von 6 bis 14 Jahren: Es dürfen höchstens 1 bis 2 mg Pentoxyverin pro kg Körpergewicht eingenommen werden.
Die exakten Dosierempfehlungen sind der Gebrauchsinformation zu entnehmen.
Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren: Die Einzeldosis beträgt 20 bis 30 mg Pentoxyverin. Diese Dosis kann alle 6 bis 8 Stunden wiederholt eingenommen werden. Die Höchstmenge innerhalb von 24 Stunden beträgt 120 mg Pentoxyverin.
Sowohl Saft als auch Tropfen können unverdünnt oder mit Wasser eingenommen werden. Die Tageshöchstdosen dürfen keinesfalls überschritten werden. Ohne ärztliche Rücksprache gilt eine maximale Anwendungsdauer von 14 Tagen. [6] [7]
Dextromethorphan:
Kinder von 6 bis 12 Jahren: maximal 6-mal täglich 1 Lutschpastille. Die Kapseln sind zur Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren nicht geeignet.
Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren: höchstens 4-mal täglich 1 Kapsel im Abstand von 6 Stunden oder 1 bis 3 Lutschpastillen alle 4 bis 6 Stunden (maximal 12 Pastillen in 24 Stunden).
Die Kapseln werden unzerkaut mit einem großen Glas Wasser geschluckt, die Pastillen sollten langsam im Mund zergehen. Die maximale Anwendungsdauer beträgt 3 bis 5 Tage und sollte ohne ausdrückliche ärztliche Anweisung keinesfalls überschritten werden.[8][9]
Diese Angaben können keinesfalls die Dosierungsanweisungen eines Arztes ersetzen.
Wechselwirkungen und unerwünschte andere Wirkungen
Sowohl Pentoxyverin als auch Dextromethorphan werden über ein spezielles Leberenzym (CYP2D6) abgebaut. Daher kann es zu Wechselwirkungen mit Medikamenten kommen, die dieses Enzym blockieren (inhibieren), seine Bildung fördern (induzieren) oder ebenfalls über CYP2D6 abgebaut werden (kompetitive Hemmung).
Durch die gleichzeitige Einnahme aller Darreichungsformen von Silomat mit anderenzentral dämpfenden Stoffen (beispielsweise Schlaf- und Beruhigungsmittel, Alkohol) können die unerwünschten anderen Wirkungen von Silomat deutlich verstärkt werden. Dazu zählen:
Pentoxyverin:
häufig (1 bis 10 von 100 Behandelten): Oberbauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen
gelegentlich (1 bis 10 von 1000 Behandelten): Müdigkeit, Erschöpfung
sehr selten (weniger als 1 von 10000 Behandelten): Krampfanfälle, Atemnot, verminderte Atemtätigkeit, Schwellungen im Kopf-Hals-Bereich, Ausschlag, Nesselsucht, Überempfindlichkeitsreaktionen[6] [7]
Dextromethorphan:
häufig (1 bis 10 von 100 Behandelten): Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit, Schwindel
sehr selten (weniger als 1 von 10000 Behandelten): Benommenheit, Halluzinationen, Entwicklung einer Abhängigkeit
ohne Angabe der Häufigkeit (Quantifizierung aufgrund der aktuellen Datenlage nicht möglich): Überempfindlichkeitsreaktionen [8][9]
Gegenanzeigen und Warnhinweise
Pentoxyverin darf nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen einen der Inhaltsstoffe, bei Atem- und Leberinsuffizienz, bei Kindern unter 2 Jahren sowie während Schwangerschaft und Stillzeit. Kleinkinder sind aufgrund der erhöhten Gefahr für Krampfanfälle und Atemdepression (verminderte Atemtätigkeit) während der Dauer der Anwendung besonders zu beobachten. Besondere Vorsicht ist außerdem geboten bei Patienten mit erhöhtem Augeninnendruck (Glaukom), Vergrößerung der Prostata (Prostatahyperplasie), eingeschränkter Nierenfunktion sowie bei Senioren.
Dextromethorphan darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen einen der Bestandteile des Medikaments, bei Ateminsuffizienz (unzureichende Atmung), Atemdepression (verminderte Atemtätigkeit), Pneumonie (Lungenentzündung), chronischen Lungenerkrankungen (Asthma bronchiale, COPD, chronische Entzündung der Bronchien), bei gleichzeitiger Anwendung bestimmter stimmungsaufhellender Mittel (MAO-Hemmer), bei eingeschränkter Leberfunktion, während der Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren (Kapseln) bzw. bei Kindern unter 6 Jahren (Pastillen).
Bei produktivem Husten mit Auswurf sollte Einnahme aller Silomat-Produkte nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen, um das unerwünschte Auftreten eines Sekretstaus zu vermeiden.
Von der Teilnahme am Straßenverkehr ist abzuraten, da das Reaktionsvermögen deutlich beeinträchtigt sein kann.[6][7][8][9]
Alternativen
Alternative Präparate stellen Sedotussion® Hustenstiller als Saft oder Tropfen dar. Weiterhin enthalten auch die Hustenstiller von ratiopharm® den Wirkstoff Dextromethorphan, welcher den Hustenreiz zu dämpfen vermag.
Quellenangaben:
- Boehringer Ingelheim:, https://www.boehringer-ingelheim.de/produkte/Selbstmedikation/erkaeltung.html., 27. Dezember 2014
- Dr. Jörg Breitkreutz, Peter Kleinebudde, Joachim Boos: "Kindgerechte Arzneiformen - Arzneimitteltherapie für alle", Pharmazeutische Zeitung, 2002
- Ernst Mutschler: Arzneimittelwirkungen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 9. Auflage, 2008, S. 235.
- Dr. med. Jochen Mutschler: "Dextromethorphan - Entzugs- und Abhängigkeitssyndrom", Deutsches Ärzteblatt, 2010
- Elke Wolf, Bettina Neuse-Schwarz, , Pharmazeutische Zeitung, OTC-Speical Husten: "Trockener Reizhusten - Husten im Keim ersticken", S. 7 ff
- Boehringer Ingelheim: "Gebrauchsinformation Silomat Saft mg/ml.", 2,13
- Boehringer Ingelheim: "Fachinformation Silomat Tropfen 30 mg/ml.", 2011
- Boehringer Ingelheim: "Gebrauchsinformation Silomat DMP intensiv gegen Reizhusten", 2014
- Boehringer Ingelheim: "Gebrauchsinformation Silomat DMP Zitrone", 2009
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Veröffentlicht durch: | Erkältet.info-Redaktion |
Erstellt am: | 30.01.2015 |
Zuletzt aktualisiert am: | 25.06.2015 |
Prüfzyklus: | jährlich |
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Zuletzt aktualisiert am: | 25.06.2015 |
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